PanzerguideKapitel
Digitales Panzerhandbuch

Kampf in der Offensive

Der Kampf in der Offensive

 

Wie man die Kanone bedient, feindliche Panzer identifiziert und wo diese ihre wunden Punkte haben, hast du bereits kennengelernt. Im echten Feuerkampf kommen noch dein Situationsbewusstsein, vorausschauendes Denken und das Gelände hinzu. Das ständige Herumschleichen und Stellungwechseln verlängert zwar dein Panzerfahrerleben, aber eigentlich sollst du ja die Spawnliste der Gegner dezimieren. Früher oder später wirst du auf die eine oder andere Art auf einen Gegner treffen und prinzipiell können dir drei verschiedene Dinge passieren.

1. Du und ein Gegner treffen aufeinander und ihr bemerkt euch gleichzeitig.
2. Ein Gegner entdeckt dich, bevor du ihn entdecken konntest und bekämpft dich.
3. Du entdeckst einen noch ahnungslosen Gegner und hast die Wahl, ob du die Initiative ergreifen möchtest oder nicht.

Zum ersten Fall kann ich dir nur einen Rat geben: kenne die Schwachstellen der gegnerischen Waffensysteme und schieße schnell und genau.

Der zweite Fall ist der ungünstigste, denn in der Regel gewinnt der, der zuerst aufklärt und schießt. Wenn der Gegner Erfahrung hat, dann bist du jetzt bereits tot. Herzlichen Glückwunsch. Oder um es mit meinem Lieblingszitat aus "TOP GUN" zu überstrapazieren: "Das Verteidigungsministerium bedauert ihnen mitteilen zu müssen, dass ihre Söhne tot sind, weil sie sich zu blöd angestellt haben." Das macht aber nichts; schnell die ungefähre Position des Gegners auf der Karte markiert (das solltest du sowieso immer tun) und dann auf zu einem neuen Versuch an anderer Stelle.

Da du dich aber bewegst bist du, je nach Entfernung zum Gegner, schwer zu treffen und hast den ersten Tötungsversuch eventuell im kämpffähigen Zustand überstanden. Was dich einmal gerettet hat, kann dich auch ein zweites Mal retten - halte also auf gar keinen Fall deinen Panzer an damit du nach dem Gegner suchen, die Entfernung schätzen, pixelgenau zielen und das Feuer erwidern kannst. Während du das nämlich tust, stehst du in der Landschaft, wie ein Übungsziel und der Feind wird dich beim zweiten Mal nur verfehlen, wenn sein Blut durch übermäßigen Alkoholkonsum genauso brennbar geworden ist, wie der Inhalt seines Treibstofftanks. Schließlich drücken Bodyguards doch auch aufs Gas, wenn ihr Fahrzeugkonvoi angegriffen wird! Am Besten ist es, schnell etwas beschussfestes, zum Beispiel ein Haus oder einen Hügel, zwischen sich und den Gegner zu bringen. Dort angekommen kann man sich in Ruhe das weitere Vorgehen überlegen (Panzer retten contra Gegenangriff) und die Gefahr auf der Karte markieren.
Ist der Weg in die rettende Deckung noch ein weiter, kann man dem Einschießen des Gegners entgegenwirken, indem man hin und wieder die Fahrtrichtung ändert.
Ein Zick-Zack-Kurs führt dazu, dass sich nicht nur ständig die Entfernung ändert, sondern dass der Gegner auch ständig einen neuen Vorhaltewinkel schätzen muss - das macht natürlich nur dann Sinn, wenn der Gegner weit entfernt ist, denn aus großer Nähe ist jeder Vorhaltewinkel zu vernachlässigen. Mit sehr viel Übung kann man auch während der Fahrt zurückfeuern (du bist sowieso bereits aufgeklärt, also kannst du es dadurch nicht verschlimmern).


Der dritte Fall (du entdeckst einen noch ahnungslosen Gegner) lässt dir alle Möglichkeiten offen. Der Kampf wird dir nicht aufgezwungen und du kannst selbst entscheiden, ob du ihn ausfechten möchtest, oder nicht. Man fängt nur dann einen Kampf an, wenn man ihn auch gewinnen kann. Ist der Gegner zu stark für dich, solltest du dir nicht zu fein sein, ihn links liegen zu lassen. Behalte ihn im Auge, um seiner andauernden Ahnungslosigkeit gewiss zu sein, markiere seine Position auf der Karte und verdrück dich. Ist der Gegner nicht zu stark und hast du genügend Zeit aus dem Stand zu schießen, sollte man seinen Zeigefinger aber wenigstens so lange in Zaum halten, bis man sich sicher ist, die eigene Situation durch einen Angriff nicht drastisch zu verschlechtern. Ein Schuss ist nichts weiteres, als ein sehr lautes und in seiner Prägnanz kaum zu überbietendes „Hallo hier bin ich“. Obwohl eine Wespe ohne weiteres mit der Hand zu erschlagen ist, würde ja auch niemand auf die Idee kommen, das in ihrem Wespennest zu versuchen. Am besten überlegt man sich vorher, wie man den Schauplatz des Blutvergießens im Notfall schnell wieder verlassen kann. Es ist auch möglich auf diese Art eine Hit-And-Run-Taktik auszuführen - man kann sich sicher sein, dass man nach dem ersten Feuerüberfall auf den gegnerischen Karten markiert wurde und sucht sich für einen zweiten Angriff einfach eine völlig andere Stelle, was solange wiederholbar ist, bis der Gegner versucht dich im Nahkampf zu stellen. Eine Hull-down Position ist immer besser, als in offen in der Gegend herumzustehen, und wenn du die Gelegenheit zu einer solchen hast, dann nimm sie ein. Ansonsten solltest du darauf achten, dem Gegner niemals deine verwundbaren Flanken oder das Heck zu präsentieren. Die Front ist in der Regel am stärksten gepanzert und wenn die Kanone des Gegners nicht allzu übermächtig ist bzw. die Entfernung zwischen den Kontrahenten groß genug, kann die sogenannte Mahlzeitenstellung die Wirkung der Panzerung noch vergrößern. Dabei stellt man sich einfach schräg zum Gegner (Richtung 7:30 Uhr, 10:30 Uhr, 13:30 Uhr oder 16:30 Uhr – was nicht die Uhrzeiten sind, zu denen ich esse, aber man will nicht kleinlich sein). Das hat zur Folge, dass die meist rechtwinkligen Flächen des Panzers schräg zur Flugbahn einer vom Gegner abgefeuerten Granate stehen und damit ein Abprallen viel wahrscheinlicher ist. Auf jeden Fall aber ist der Panzerstahl der überwunden werden muss, bedingt durch den diagonalen Weg des Geschosses durch diesen hindurch, größer, als bei einem rechtwinkligen Auftreffen der Granate. Das sind die Gründe, warum beim Bau von Panzern späterer Kriegsjahre von vornherein auf abgeschrägte Panzerflächen gesetzt wurde.

Sollte sich der Feuerkampf hinziehen und du den Gegner nicht ausschalten können,bedenke, dass du jetzt auf jeden Fall aufgeklärt bist und erwäge einen Rückzug, wenn du meinst andere Gegner könnten dich umgehen, während du mit Ballern beschäftigt bist. Setze dein eigenes Überleben immer vor alles andere, denn heldenhaft gestorben ist auch tot bzw. auf der Kill-Liste eines anderen nützt du niemandem etwas. Wenn du dich für einen Rückzug entscheidest, so musst du das mit dem Rückwärtsgang erledigen, denn sonst würdest du dem Gegner eine unverdiente Möglichkeit bieten. Rückwärts bist du allerdings langsamer, als ein Gegner, der auf dich zufährt oder dich zu umgehen versuchst - du siehst: steckst du zu tief im Schlammassel kommst du da nicht mehr ohne weiteres heraus. Deswegen agiere immer vorsichtig und vorausschauend, damit du dich nicht selbst an die Wand spielst.

Die Entscheidung, ob man einen Kampf gewinnen kann, oder nicht, setzt vorraus, dass man die eigenen Stärken und die des Gegners kennt. So macht es kaum Sinn, einen Sumoa S35 mit einer 3,7 cm Kanone auf 1500 m anzugreifen, da dies weit jenseits der Leistungsgrenze dieser Waffe liegt. Mit deutschen Panzern höherer Tier-Stufen allerdings ist wäre diese Entfernung ideal, da hier noch wirksam bekämpft werden kann.